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Mit der richtigen Steuerklasse in die Ehe starten

Fotoshooting "Schwarz - Weiß", Foto: Hanna Witte

 

Der schönste Tag ist nun vorbei und die Hochzeitsanstrengungen sind auch damit fast vergessen. Spätestens nach den Flitterwochen und nach etwas Entspannung, ist noch einiges zu erledigen. Mitunter stellen sich Fragen wie: Welche Steuerklassen ergeben sich nach der Heirat und welche Steuerklassenkombination ist die günstigste? Welche Vorteile die einzelnen Kombinationen beinhalten und unter welchen Bedingungen ein Wechsel in Betracht gezogen werden sollte, erklärt uns Julia Rölfs von RBC Rölfs Business Consulting GmbH.  Ehegatten oder Lebenspartner, die beide in Deutschland wohnen, können zwischen den nachfolgend dargestellten Steuerklassenkombinationen wählen.

 

 

Allgemein

Grundsätzlich existieren in Deutschland 6 Steuerklassen. Jeder Arbeitnehmer wird abhängig von seinem Familienstand einer Steuerklasse zugeordnet.

So ist zum Beispiel jeder alleinstehende Steuerpflichtige (ledig, geschieden, getrennt lebend) automatisch in Steuerklasse I.

Für Ehepaare gibt es eine Besonderheit in Sachen Steuerklasse: Sie können zwischen verschiedenen Steuerklassen wählen, wobei die Wahl der Steuerklasse einmal jährlich erfolgen kann. Anträge zum Steuerklassenwechsel oder zur Anwendung des Faktorverfahrens sind an das Finanzamt zu richten, in dessen Bezirk die Ehegatten oder Lebenspartner im Zeitpunkt der Antragstellung ihren Wohnsitz haben. Dazu gibt es einen amtlichen Vordruck, der auf der Seite des Bundesfinanzministeriums heruntergeladen werden kann.

 

Im Folgenden möchten wir ihnen die Wahlmöglichkeiten der Steuerklassenkombinationen vorstellen:

 1.   Kombination IV / IV

 

Bei dieser Kombination werden beide Ehepartner nach Steuerklasse IV besteuert. Hierbei wird bei beiden Ehepartnern während des Jahres die „richtige“ Lohnsteuer einbehalten, wenn sie genau gleich viel verdienen. Weichen die Einkommen der Ehepartner voneinander ab, werden auf das Jahr gesehen zu viel Steuern gezahlt, die man sich dann im Rahmen der Einkommensteuererklärung zurück holen muss. Diese Überzahlung ist umso größer, je höher das gemeinsame Einkommen ist und je weiter die Einkommen der Ehepartner voneinander abweichen. Eine Abgabe der Steuererklärung ist unter diesen Steuerklassen nicht verpflichtend.

 

 

2.   Kombination III / V

 

Eine Kombination aus den Steuerklassen III und V lohnt sich nur, wenn ein Partner deutlich mehr verdient als der andere bzw. wenn nur ein Partner berufstätig ist. Dabei erhält der Ehepartner mit dem höheren Arbeitslohn die Steuerklasse III und der geringer verdienende Ehepartner die Steuerklasse V. Wenn der in Steuerklasse III eingestufte Ehegatte oder Lebenspartner ca. 60 % und der in Steuerklasse V eingestufte ca. 40 % des gemeinsamen Arbeitseinkommens erzielen, entspricht die Summe der Steuerabzugsbeträge beider Ehegatten oder Lebenspartner in etwa der zu erwartenden Jahressteuer. Der Vorteil: Der Besserverdienende hat in Steuerklasse III deutlich weniger Abzüge, so dass der monatliche Nettolohn höher ausfällt. Der Nachteil: Je größer die Schere zwischen den beiden Gehältern ist, desto höher ist die Steuernachzahlung am Ende des Jahres. Aus diesem Grund besteht bei der Steuerklassenkombination III / V generell die Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung. Zur Vermeidung von Steuernachzahlungen bleibt es den Ehegatten oder Lebenspartnern daher erlaubt, sich trotzdem für die Steuerklassenkombination IV / IV zu entscheiden und damit ein geringeres monatliches Nettoeinkommen in Kauf zu nehmen.

 

 

3.   Anwendung Steuerklasse IV-Faktor

Ehepaare können seit einigen Jahren auch die Kombination Steuerklasse IV mit Faktor wählen. Durch den Faktor berücksichtigt das Finanzamt den Ehegattensplittingvorteil bereits unterjährig. Konkret bedeutet das: Das Finanzamt errechnet zuerst die voraussichtliche Jahreseinkommensteuerschuld des Ehepaares. Diese wird dann durch 12 geteilt und monatlich als Lohnsteuer einbehalten. So können Sie eine Steuernachzahlung weitestgehend vermeiden.

 

Mit dieser Verteilung wird eine möglichst gerechte Verteilung der Lohnsteuer auf beide Ehegatten erreicht. Auch hier gilt, wenn Sie sich für Steuerklasse IV mit Faktor entscheiden, dann sind Sie auch zur Abgabe einer jährlichen Steuererklärung verpflichtet.

 

 

Zusammenfassend

 

Für die Jahressteuerschuld spielt die Wahl der Steuerklassen keine Rolle, selbst wenn Sie sich nicht für die günstigste Kombination entschieden haben, zahlen Sie nicht mehr Steuern. Es ist dann nur wichtig, dass Sie eine gemeinsame oder jeweils zwei getrennte Steuererklärungen abgeben, damit die Endabrechnung erfolgen kann.

 

Aber manch einer hat lieber gleich mehr Geld im Portemonnaie, als sich später die zu viel gezahlte Steuer vom Finanzamt rückerstatten zu lassen. Bei der Wahl der Steuerklassenkombination oder der Anwendung des Faktorverfahrens sollten die Ehegatten oder Lebenspartner auch daran denken, dass die Entscheidung auch die Höhe der Lohnersatzleistungen, wie z. B. Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld und Mutterschaftsgeld oder die Höhe des Lohnanspruchs bei der Altersteilzeit beeinflussen kann, da sich die Lohnersatzleistungen nach dem zuletzt bezogenen Nettogehalt richten. Und dabei gilt: Je höher das Nettogehalt, desto höher auch die Lohnersatzleistung.

 

Ein Steuerklassenwechsel oder die Anwendung des Faktorverfahrens im Laufe des Jahres kann in der Regel nur einmal und zwar spätestens bis zum 30. November, beim Wohnsitzfinanzamt beantragt werden. Nur in den Fällen, in denen im Laufe des Jahres ein Ehegatte oder Lebenspartner keinen Arbeitslohn mehr bezieht (z. B. Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis), einer der Ehegatten oder Lebenspartner verstorben ist oder sich die Ehegatten oder Lebenspartner auf Dauer getrennt haben, kann das Wohnsitzfinanzamt bis zum 30. November auch noch ein weiteres Mal einen Steuerklassenwechsel vornehmen. Ein weiterer Steuerklassenwechsel bzw. die Anwendung des Faktorverfahrens ist auch möglich, wenn ein Ehegatte oder Lebenspartner nach vorangegangener Arbeitslosigkeit wieder Arbeitslohn bezieht oder nach einer Elternzeit das Dienstverhältnis wieder aufnimmt.

 

 

 


Für die steuerliche Beratung und Betreuung empfehlen wir unser Mitglied „RBC Rölfs Business Consulting GmbH“.